Volaglonga – die Luxusvariante

Venedig sehen und sterben, so muss das ja nicht gleich sein. Die Vogalonga war dennoch schon länger auf meinem Wunschziel. Ich wollte gerne mal durch Venedig paddeln und so diese alte Stadt kennenlernen, aber Uwe ist leider (und verständlicherweise) nicht bereit, mit dem Boot auf dem Dach knapp 1000 km über die Alpen zu fahren.
Einige Sportfreunde von Motor West hatten Anfang 2017 Ambitionen, das Ganze im Rahmen einer gebuchten, von einem Kanu-Reisebüro organisierten Reise zu tun – und schon waren wir dabei. Welch ein Luxus, sich auch mal um nichts kümmern zu müssen, das hat schon was. Also gesagt – gebucht, und am 2.Juni ging es 4:30 am Hauptbahnhof in Leipzig los.
Zur Truppe gehörten außer uns acht Leipziger Westlern noch ein Thüringer Ehepaar, zwei einzelne Mitfahrerinnen und unser Guide Marc. Und dann war da noch unser Busfahrer Christian, der sich auch als paddelnder Teilnehmer erwies.
Die lange Anreise auch mit dem Bus nichtspaßig, mit mehreren Staus dauerte die Hinfahrt immerhin ca. 15 Stunden. Aber wir wurden ja klimatisiert und gefahren, und so konnte man die Zeit verschlafen und verschwatzen und verlesen, und in den Alpen gab es dann ja auch genug zu sehen. Erst abends um ca. 20:00 Uhr waren wir endlich da!
Unser Hotel Ca‘ de Valle befindet sich auf der Halbinsel Jesola südwestlich von Venedig, zwischen Adria und Lagune. Das ist schlappe 18 km vom Marcusplatz entfernt, und so richtig konnten wir uns noch nicht vorstellen, wie das mit der Vogalonga klappen sollte, die ja alleine schon eine Paddelstrecke von 30 km zu bieten hat. Dafür konnten wir in drei Minuten am Strand der Adria sein und erst mal ein Begrüßungsbad nehmen, danach Pizza und Spaghetti, denn wir wollten merken, dass wir in Italien sind.
Am ersten Paddeltag war Schnuppertour und Einweisung angesagt, und zwar auf der Adriaseite. Marc wollte sich erst mal ein Bild machen von seiner Reisegruppe. Wir gaben ein gutes Bild ab, alle Teilnehmer waren schon viel gepaddelt, wenn auch nur wenige mit dem Paddeln auf dem offenen Meer vertraut waren. Aber das ging auch gut und machte richtig Spaß, und nach einem Anschiss von der Küstenwache bequemten wir uns auch, die Schwimmwesten anzulegen, die wir dann auch die meiste Zeit trugen.
Nachmittags ging es mit Bus und Fähre nach Venedig, Marc musste uns noch endgültig anmelden, und wir wollten natürlich eine Stadttour machen.
Am Pfingstsonntag war dann die Vogalonga angesagt, aber wie sollten wir nun zum Start kommen?
Der Glaube, unser Reiseunternehmen würde uns am Start aussetzen erwies sich aus verschiedenen Gründen als naiv. Marc’s Plan war, von der Spitze der Halbinsel Jesola zu starten und seitlich in den Pulk einzuschwingen, was bedeutete, den Start zu verpassen. Schon dafür mussten wir uns frühmorgens sputen, denn Start war 9:00 Uhr am Marcusplatz. In Absprache mit den Veranstaltern haben wir das auch so gemacht, und ab Station 4 der Runde waren wir dann dabei.
Bei strahlenden Sonnenschein ging es Richtung Burano, nach einer kurzen Rast auf dem Hauptkanal durch die Inselgruppe hindurch und dann in der Fahrrinne wieder Richtung Murano und Venedig. Es war schon beeindruckend, wie die verschiedenen Bootstypen sich in einer langen Reihe über die Lagune bewegten, besonders interessant waren die venezianischen „Vorwärtsruderer“. Auch sonst waren - inzwischen sortiert nach Tempoklassen – alle möglichen Arten muskelbetriebener Boote dabei, die sich in der Sonne und Wärme inzwischen recht diszipliniert vorwärts arbeiteten, um pünktlich am Ziel zu sein. Dabei waren die lautesten nicht die Italiener, sondern zwei Mannschaftsboote aus Norddeutschland! Tja, und weil die Welt auch nur ein Dorf ist, trafen wir jetzt die Leipziger Sportfreunde, die wir auch auf der Vogalonga wussten, aber gar nicht erst gesucht hatten unter den knapp 2.000 Booten .... Und, um unsere Freude ein wenig zu dämpfen, erzählten sie erst mal, wie beeindruckend der Start war, mit Hymne, Kanonenschlag und großem gemeinsamen Start am Marcusplatz ☹ Nun ja, Bequemlichkeit hat ihren Preis.
Aber schön war‘s dann, am Schluss auf dem Canale Grande ohne Motorbootverkehr durch Venedig bis zum Ziel am Marcusplatz zu paddeln. Die ganzen alten Paläste kann man gar nicht alle zu Fuß erkunden, das geht sonst nur vom Vaporetto oder Wassertaxi oder Gondel aus, denn sie stehen in breiter Front ohne Fußsteig am Wasser. Es war schon ein Genuss, und so ließen wir uns ordentlich Zeit bis zum Ziel.
Das Timing war sozusagen maßgeschneidert, denn kurz vor demselben wurde es 15:00 Uhr, und mit einem neuerlichen Kanonenschlag war der Canale wieder für Motorboote freigegeben! Und da ging die Post ab, wie eine Drohgebärde kamen diese in breiter Front in den Kanal geprescht, dass einem die Lust verging, jemals auf dem normal belebten Canale zu paddeln. Aber wahrscheinlich wollten die Jungs auch nur wieder an die Arbeit, schließlich lebt der Transport in Venedig nun mal vom Wasser, und wer will im Alltag schon muskelbetrieben herumtrödeln.
Angekommen am Ziel, konnten wir gerade noch unsere Urkunden entgegennehmen und wollten uns dann Richtung Hotel und Jesola trollen. An Pause war nicht zu denken, Man wäre nicht wirklich vom Wasser gekommen, und der Schiffs- und Motorbootsverkehr hielt uns ordentlich auf Trab. So kellten wir erst mal in Richtung Lido und wollten dort anlanden für eine Puller- und Verschnaufpause, aber Pustekuchen. Fast alle Inseln in der Lagune sind mit hohen Mauern befestigt, an denen man mit dem Paddelboot nicht so ohne weiteres aussteigen kann. Manchmal gab es auch eine freundliche kleine Treppe, aber bei dem Wellengang und dem verstädterten Hintergrund war das auch nicht einladend für unsere dringenden Bedürfnisse. Also kämpften wir uns den Lido entlang Richtung Osten, ein aufkommendes Gewitter beunruhigte uns zusätzlich, und wir waren froh, als fast am Ende ein kleiner Streifen Kies zum Anlegen einlud, geschmückt mit dem Hinweis auf militärisches Sperrgelände.
Alles wurscht, wir mussten mal, wir hatten Marc und Sabine verloren, es sah nach Gewitter aus und wir brauchten überhaupt mal eine Pause. Das sah wohl auch die Wasserschutzpolizei so, die eine Weile versuchte, herauszubekommen, ob wir (und 2 weitere angelandete Boote) Probleme haben und sich wieder davonmachte, als sie erfuhren, dass alles ok war, wir aber noch auf den Rest warten mussten.
In der Wartezeit passierte ein Kreuzfahrtschiff den Platz(beeindruckend), das Gewitter verzog sich wieder(beruhigend) und Marc und Sabine fanden sich dann auch wieder an (sehr beruhigend).
So konnten wir unbehelligt im schönsten Abendsonnenschein über ddie Lagune zur Spitze der Jesola paddeln, die Boote verladen und bequem in den Bus hüpfen. Es war ein langer Tag mit 37 km gewesen, und nach einem üppigen Abendessen mit kleinem Umtrunk fielen wir alle um.
Der nächste Tag war Schontag, nach dem Ausschlafen ging es noch mal nach Burano, wo wir uns in der Mittagsglut umsahen, dann paddelten wir um Mazzorbo herum nach Torcello, der ältesten Besiedlungsstelle von Venedig. Dort steht nur noch eine alte Basilika, aber auch hier machte uns die Sonne und Hitze zu schaffen, so dass wir lieber bei Cappuccino im Schatten saßen und schwatzten. Hier konnten wir auch noch mal live erleben, dass Paddler in Venedig nicht gerne gesehen sind, die Fahrer der Wassertaxis waren alles andere als zuvorkommend, als wir ihren Einstieg benutzten, und sie hatten echt Schiss, dass wir ihre kostbaren Boote zerkratzen beim Aussteigen! Aber sonst war alle gut, abends trafen wir uns wieder „beim Italiener“ und mussten feststellen, dass für den nächsten Tag die Wetterlage eher nicht nach paddeln aussah – Gewitterstimmung.
Früh entschied sich dann, dass mit Paddeln nichts wird, und jeder machte mal seins. Baden, Venedig, Burano, Wochenmarkt, und nachmittags gab es auch das versprochene Unwetter – wir waren also nicht umsonst an Land geblieben!
Mittwoch war es immer noch ein wenig kabbelig, aber wir machten uns planmäßig auf nach Murano. Nach einer Besichtigung der Glasläden wollten wir eigentlich noch weiter paddeln, aber ein Regenguss und aufkommender Wind hielten uns so lange fest, dass wir am Ende wirklich die ganze Insel erforscht hatten, und dann war es Zeit, zurückzukehren zum Bus und zum Hotel.
Am Parkplatz erlebten wir noch eine böse Überaschung – der Bus wollte nicht anspringen, und außerdem war das Dachfenster zerschlagen, wahrscheinlich beim Sturm. Eine ganze Weile versuchten wir, Aktivitäten zu entwickeln und Ratschläge zu geben, bis Marc uns zum Linienbus schickte und wir ins Hotel fuhren, während er und Christian sich gekümmert haben. Wir waren froh, ins Hotel zu kommen und dann wieder zum Italiener gehen zu können.
Nacheinander tauchten die beiden dann dort auch wieder auf. Der Bus war flottgemacht, das Dach zugeklebt und für Christian war noch ausreichend Zeit zum Schlafen. Wir konnten also zuversichtlich der Heimreise entgegensehen, wenn wir auch gerne noch geblieben wären.
Morgens trafen sich Torsten und Marc noch zu einer Sonnenaufgangstour auf der Adria, aber sonst wollte wohl keiner um 5:00 Uhr aufstehen. Es soll auch sehr schön gewesen sein (Foto).
Um 8:30 saßen wir alle im Bus, und ab ging es Richtung Heimat. Die RRückfahrt dauerte staufrei nur 10 Stunden, das fühlte sich wesentlich besser an und machte Lust, noch einmal nach Venedig zu fahren, ach zur Vogalonga, und dann natürlich ab Marcusplatz mit offiziellen Start.
Marc hat auch schon einen Plan!

Ach, war das schön! sagen Grit, Uwe und Torsten, Almut, Sabine, Peter, Jörg und Anett

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