Trogfahrt auf der Elbe

Jedes Jahr im August organisiert der Magdeburger Kanu-Klub Börde eine Befahrung des Wasserstraßenkreuzes bei Magdeburg. Das kann man zwar auch mit der Weißen Flotte haben, aber für Kanuten ist es schon mal interessant, das Ganze abzupaddeln. Das geht allerdings nicht einfach so, da muss man sich halt schon mal organisieren. Und das macht Rubi von der Börde, und er hat das richtig gut gemacht.
Wir zehn Leipziger sowie noch ein paar weitere Gäste trafen sich schon am Freitagabend am Bootshaus, um früh beizeiten starten zur können. Das war auch besser so, denn alles war straff durchgeplant, die Schleusen sind schließlich und eigentlich nicht für die Paddler da!
Trogfahrt 2017_10Die meisten Teilnehmer waren Magdeburger, die morgens im Bootshaus eintrafen. Um 7:30 Uhr wurde losgefahren, um die Autos nach Rogätz zu bringen, und 9:30 Uhr ging’s dann am Bootshaus aufs Wasser. Angefangen in der alten, frisch ausgebaggerten Elbe und dann ab km 223 auf der Elbe, keulte alles zügig los, weil 11:00 der km 233 erreicht sein sollte. Dort sammelte wir uns noch mal (letzte kurze Pause) und Rubi meldete uns bei der ersten -der Niedrigwasserschleuse- an. Bei Mittelwasser wäre die offen gewesen, aber die Elbe führte trotz des recht regnerischen Sommers immer noch wenig Wasser, und dann tritt diese Schleuse in Aktion. Wir durften passieren, wurden geschleust und nach knapp einer halbe Stunde ging es weiter, nun auf stehendem Wasser entlang des Hafengeländes bis zum Schiffshebewerk Rothensee. Das waren schon mal knapp 5 km, und die ziehen sich ganz schön hin, wenn man glaubt, das wäre alles nahe beieinander. Aber endlich kam die Autobahnbrücke in Sicht und dann auch schon das Schiffshebewerk. Wir waren früher dran als geplant und durften trotzdem gleich einfahren.
Ein paar neugierige Touristen lungerten um das Bauwerk herum und fotografierten fleißig, wie die Paddelboote Fahrstuhl fahren. Ein paar Paddler fotografierten die Touristen, wie sie Schiffshebewerke besichtigen – jeder hatte seinen eigenen Unterhaltungswert für die anderen. Die Fahrt in so einem Trog war für mich ein Novum, und ich hätte mir die Geschichte dann auch gerne noch von außen angesehen. Das stand aber nicht auf dem Plan, heute war die Innenansicht dran, und es war spannend genug, so an den Trägern und Seilen vorbei zu schweben.
Oben auf dem Kanal angekommen, wurde wieder kurz gesammelt, weil die Trogbrücke erst mal für den Schiffsverkehr gesperrt werden musste. Kein Schiff war in Sicht, und so dauerte es nicht lange und wir bekamen grünes Licht für die Überfahrt.
Alle im Vorfeld ausgesprochenen Warnungen zu Wind, Wellen und Stress trafen nicht wirklich zu, es war ruhig und bei leichtem Rückenwind hatten sich nur ein paar unproblematische Wellen hochgeschaukelt. Die Magdeburger Kanuten fuhren eher auf Rennen, und wir sahen sie jetzt nur von hinten. Für die war das sicher alles nichts Neues. Der Rest ließ sich mehr Zeit und fotografierte, und Rubi, der das Schlussboot machen musste, passte auf, dass wir nicht zu sehr trödelten. Schließlich hatten wir auch an der nächsten Schleuse wieder einen Termin, und sicher sollten die Paddelboote auch ein wenig beisammenbleiben auf dem Kanal. Beeindruckend war der schon, selbst wenn man vom Paddelboot nicht über den Trogrand hinaussehen konnte und sich so mehr auf die Wasserstraße konzentrierte. Am Rand sahen wir Radfahrer und Fußgänger, die die Brücke auf extra angelegten Wegen nutzen und auch mal auf die kreuzende Elbe herabsehen können.
Als wir die Trogbrücke überquert hatten, wurde sie wieder für die Schiffahrt freigegeben. Für uns war erst einmal wieder kein Ziel in Sicht, und so summierte sich die Strecke nochmals auf etwa 5 km bis zur nächsten Schleuse. Mir wurden langsam die Arme ein wenig schwer, das sportliche Tempo der Elbeanlieger war für mich und mein Wanderboot schon eine kleine Herausforderung, aber es war noch zu schaffen.
Die Schleuse Hohenwarthe wartete denn auch schon mit offenen Toren auf uns, und bei 18 m Absenkung konnte ich mich glücklich ausruhen. Die Bergauf-Schleusung muss wesentlich turbulenter sein, wenn das Wasser zügig einströmt. Wir hingegen hatten bergab nichts auszustehen in der Doppelsparschleuse, das Wasser lief ruhig und in mehreren Etappen ab, dennoch war es Pflicht, sich an einer der Leitern festzuhalten. Und es wurde kühl und dunkel, als wir unten ankamen. Gruselig? Beängstigend? Nee, so war es nicht da unten.
Nach der Schleuse Hohenwarthe ging es nur noch mal kurz links um die Ecke – und da kam dann noch die Niegripper Schleuse, die nur einen kleinen Höhenunterschied überwinden musste, um uns wieder in die Elbe zu entlassen.
Am gegenüberliegenden Elbufer machten wir erst mal Halt, man musste doch mal aus dem Boot heraus und sich in die Büsche schlagen. Nach einem kleinen Happen verspäteten Mittagessens ging es weiter nach Rogätz. Nun wieder mit Strömung, waren die letzten 8 km eine Kaffeefahrt, es machte Spaß, durch die Elblandschaft zu paddeln, der sachte Wind stand auch günstig wie selten auf der Elbe und man hätte ruhig noch ein Stück fahren können. Aber in Rogätz standen die Autos, und außerdem gab es im Bootshaus ein Sommerfest mit Kaffee und Kuchen.
An den haben wir uns dann auch gehalten, um uns für die Heimfahrt zu stärken. Eine schöne und vor allem interessante Fahrt lag hinter uns, die man nicht so leicht wiederholen kann, denn man braucht die freundlichen Organisatoren.
Mit einem Dank an die Magdeburger Sportfreunde will ich den Bericht denn auch beenden – Das habt ihr richtig gut gemacht!

Grit Hagemann, Motor Leipzig West

PS: Übrigens würde ich beim nächsten Mal den Sonntag für eine „Außenbesichtigung“ der Trogbrücke samt Schiffshebewerk und Schleusen zu Fuß einplanen, denn da gibt es sicher noch viel zu entdecken, was man vom Paddelboot aus nicht zu sehen bekommt.

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